Warum ich aufgehört habe, mein Leben in Schubladen zu stecken (und warum mich die Debatte zunehmend nervt)…
„Hey Pastor, gibst du mir noch ein Bier?“
Es ist Samstagabend im Bebop, meiner kleinen Bar in Mittelhessen. Der Bass wummert laut im Hintergrund, die Luft riecht nach frisch gezapftem Bier, ein wenig Schweiß und guten Gesprächen.
Ein paar Stunden später stehe ich vielleicht an der Kanzel. Vielleicht programmiere ich aber nur den nächsten Code für meine Homepage. Oder ich arbeite mich durch analoge Bücher, weil wir im Biblischen Unterricht für Erwachsene nun die Apostelgeschichte durchgehen und die besten Kommentare dazu leider noch nicht in Logos angekommen sind. Es könnte auch vorkommen, dass ich noch eine Rundmail an die nächste Reisegruppe schicke, um die letzten Details für den Transfer abzusprechen.
Sonntags müssen Pastoren halt arbeiten.
Oft werde ich gefragt: „Simon, was bist du jetzt eigentlich? Pastor? Gastronom? Reiseleiter?“ Heute stehe ich als Techniker am Mischpult und mache guten Sound im Raum. Mehr zählt für mich nicht. Warum braucht es eigentlich diese genauen Rollen? Warum ist es wichtig, was ich tue und nicht so sehr, was ich bin?
Lange dachte ich, ich müsste mich entscheiden. Ich dachte, ich müsste eine dieser Rollen annehmen und dann darin alles richtig machen. Gott lässt sich aber nicht in Schubladen pressen. Sein Reich auch nicht. Er hat mir viele Rollen gegeben, also bleibe ich bei ihnen. Jede zu ihrer Zeit.
Die Illusion der Trennung.
Wir haben gelernt, unser Leben zu fragmentieren. Hier der Job, dort der Glaube. Hier die Technik, dort die Natur. Aber wenn ich eins in 16 Jahren Seelsorge und 28 Jahren Internet gelernt habe, dann das: Die tiefsten Gespräche finden oft nicht in der Kirchenbank statt, sondern am Tresen oder beim Wandern in der Natur. Lass mich mal eine These formulieren, die vielleicht zunächst wirr klingt, aber am Ende in meinen Augen viel Sinn macht: Wir brauchen Ganzheitlichkeit im aktuellen Zeitgeist!
Wir brauchen Ganzheitlichkeit im aktuellen Zeitgeist!
Simon Birr
Nur im Ganzen gibt es echte Begegnung!
Eben weil sich Glaube und Alltag nicht trennen lassen, brauchen wir einen Ansatz, der den ganzen Menschen ernst nimmt. Man kann nicht sonntags auf der Kirchenbank seine Frömmigkeit leben und dann Montags ein neues Gesicht aufsetzen. Glaube muss sich in allen Rollen ausdrücken und den Roten Faden im Leben erzeugen.
Deswegen stehe ich für digitalisierte Kirche. Deswegen stehe ich dafür, Brücken zu bauen.
- Zwischen der Tradition der alten Worte und der Präzision moderner Software.
- Zwischen der Einsamkeit vor dem Bildschirm und der Gemeinschaft bei einem Glas Wein.
- Zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und dem Mut, einfach mal etwas völlig Neues zu starten.
Warum ich das alles mache
Wenn ich Menschen auf Reisen zwischen Norwegen und Italien begleite, dann tue ich das nicht als Reiseverkehrskaufmann. Ich tue es als jemand, der weiß, dass wir in der Weite der Natur Gott oft näher sind als in stickigen Sitzungszimmern. Es macht etwas mit uns Menschen, wenn wir auf einer Fähre stehen und das Festland hinter uns lassen. Jedes Jahr auf der Fahrt nach Langeoog erlebe ich das. Hin und wieder dann noch auf den Touren nach Norwegen oder in Richtung Korsika.
Wenn ich Organisationen zeige, wie sie digitale Tools nutzen, dann nicht, weil ich Technik um der Technik willen liebe, sondern weil ich glaube, dass wir die beste Botschaft der Welt nicht mit veralteten Methoden in der Versenkung verschwinden lassen dürfen. Es gibt große Chancen in Social Media und mit den aktuellen KI-Entwicklungen. Wenn wir sie ignorieren, werden wir irgendwann nur eines geschafft haben: Unsichtbar zu sein.
Das Ganze funktioniert aber nicht, wenn wir glauben, dass es hier die unchristliche Welt und dort die heiligen Momente gäbe. Alles ist jederzeit da. Grade in der heutigen Zeit müssen wir also ganzheitlich an Herausforderungen und Probleme rangehen uns sie dann gemeinsam lösen und feiern.
2026: Zeit für deine ganze Wahrheit
Dieses Jahr wird für mich das Jahr der Synergien. Eigentlich war ich viel zu lange ruhig. Natürlich brauchte es Zeit, meine beiden Unternehmen zu gründen und viele Dinge neu zu lernen. Viel wichtiger wird nun aber, alles zusammen zu führen und dir zu zeigen, dass das in meinen Augen eine wichtige Grundlage für die Zukunft ist. Lasst uns alle Schubladen öffnen und dann schauen, was wir an genialen Dingen im Miteinander entdecken.
Ich möchte dich einladen, die Schubladen im Kopf ebenfalls zu öffnen.
Ob wir uns digital bei einem Workshop treffen, gemeinsam auf einem Boot in Albanien sitzen oder uns im Bebop über die existenziellen Fragen des Lebens unterhalten: Es ist immer der gleiche Simon. Mit der gleichen Leidenschaft für das Echte, die Tiefe und alles Neue.
Ich glaube in der heutigen Zeit ist es nicht entscheidend, sich für eine Richtung zu entscheiden.
Fang doch einfach an, alles in dir zu sein.