Wusstet ihr eigentlich schon, dass wir eine echte Sauna im Haus haben?

Heute war genau der richtige Tag, um sie endlich zu benutzen. Norwegen hatte nämlich beschlossen, die Temperatur deutlich herunterzudrehen. Nach mehr als 30 Grad an den vergangenen Tagen waren es plötzlich nur noch ungefähr 16 Grad.

Manche von uns hatten kurz den Eindruck, es könnte jeden Moment anfangen zu schneien. Natürlich ist das minimal übertrieben. Ihr müsst aber den Kontrast verstehen. Gestern Hochsommer, heute gefühlte Polarexpedition.

Ein ehrlicher Start in den Tag

Nach dem Frühstück hielt Liana die Andacht. Dabei ging es heute ziemlich persönlich zu. Wir haben unseren Gefühlen erlaubt, ehrlich zu werden, und bei einigen von uns floss auch die eine oder andere Träne.

Auf einer Freizeit erlebt man in kurzer Zeit unglaublich viel. Man ist ständig mit anderen Menschen zusammen, entdeckt neue Orte, lacht, ist müde und wächst manchmal über sich selbst hinaus. Zwischendurch tut es gut, nicht sofort zum nächsten Programmpunkt zu rennen, sondern kurz wahrzunehmen, was eigentlich gerade in einem passiert.

Genau dafür war heute Zeit.

80 Grad gegen den norwegischen Winter

Anschließend machten wir es uns richtig gemütlich. Die Sauna wurde auf 80 Grad hochgeheizt, im Kaminofen brannte ein Feuer und wir konnten einfach ein bisschen chillen.

In Norwegen heißt die Sauna übrigens häufig „Badstue“. Das Wort setzt sich sinngemäß aus Bad und Stube zusammen. Saunen haben im Land eine lange Geschichte und erleben seit einigen Jahren wieder einen deutlichen Aufschwung. Neben der Wärme geht es dabei oft auch um Ruhe, Gemeinschaft und eine Pause vom Alltag.

Das passte heute ziemlich gut zu uns. Draußen herrschte der gefühlte norwegische Winter, während wir drinnen zwischen Sauna und Kamin langsam wieder auftauten.

Nach den vielen Erlebnissen der vergangenen Tage war es richtig gut, einmal keinen Berg besteigen, keinen Bus retten und kein Moor durchqueren zu müssen.

Zumindest zunächst.

Der geheime Weg

Nach dem Abendessen ging es nämlich doch noch einmal hinaus in die Wildnis.

Nur wenige Kilometer von unserem Haus entfernt beginnt die Berglandschaft rund um den Rennevatn. Unsere Freizeitleitung kannte dort einen besonderen Weg. Vor vielen Jahren hatte ein Norweger ihnen gezeigt, wie man zu den hohen Klippen hinaufkommt. Eine offizielle Wanderroute mit Wegweisern, Treppen und gemütlichen Rastbänken war das natürlich nicht.

Also ging es wieder über Stock und Stein.

Nach den letzten Wanderungen sind wir inzwischen ziemlich gut darin, skeptisch zu werden, sobald jemand von einem „kleinen Weg“ oder einem „kurzen Ausflug“ spricht. Trotzdem liefen wir mit. Durch die Vegetation, über Felsen und immer weiter hinauf.

Der Weg verlangte echte Konzentration. Direkt neben unsrem Pfad ging es schließlich mehrere Meter nach unten. Aber als wir oben ankamen, war aber sofort klar, weshalb wir dorthin gelaufen waren.

Eine Aussicht, die man nicht vergisst

Vor uns öffnete sich die Landschaft. Ein riesiger Bergkamm, eine abgrundtiefe Schlucht und eine Perspektive, die auf keinem Foto genauso wirkt wie in dem Moment, in dem man selbst dort oben steht.

Wir waren erst noch laut, haben geredet und uns gegenseitig auf die Aussicht aufmerksam gemacht. Irgendwann wurde es dann ruhiger. Manche Orte schaffen das einfach. Man steht da, schaut hinaus und merkt, wie groß diese Welt ist.

Solche Augenblicke erlebt man tatsächlich nur wenige Male im Leben.

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