Unser erster richtiger Tag in Norwegen begann so, wie ein guter Freizeittag beginnen sollte. Wir haben richtig geil ausgeschlafen.

Nach der langen Anreise gestern brauchte niemand Wecker, Frühsport oder ein pädagogisch wertvolles Morgenprogramm. Stattdessen konnten wir langsam wach werden und uns anschließend auf einen Brunch freuen, der seinen Namen verdient hatte. Es gab Rührei, Bacon und Chili con Carne. Damit war die Energieversorgung für den Tag eigentlich mehr als gesichert.

Into the Wide

Nach dem Brunch hielt Simon die erste Andacht zu unserem Freizeitmotto #intothewide. In den kommenden Tagen geht es immer wieder um Freiheit, Vertrauen und neue Wege. Heute mussten wir allerdings noch nicht lange darüber nachdenken, wie ein neuer Weg aussehen könnte. Carsten und Simon hatten bereits einen für uns ausgesucht.

Angekündigt wurde ein kleiner Spaziergang zu einem See.

„Kleiner Spaziergang“ ist anscheinend eine sehr dehnbare Formulierung.

Nach einer kurzen Pause liefen wir los. Schon bald führte der Weg über Stock und Stein, bergauf und mitten durch ein Moor. Aus dem gemütlichen Ausflug wurde ziemlich schnell unsere erste richtige Wanderung. Carsten und Simon wussten vermutlich sehr genau, weshalb sie dieses Wort vorher vermieden hatten.

Die Umgebung rund um Hjartdal ist allerdings genau für solche Touren gemacht. Rund um Hjartdal, Tuddal und Sauland gibt es zahlreiche kurze und längere Wanderwege, die zu Seen, Wasserfällen und natürlichen Badestellen führen. Was auf einer Karte nach einer kleinen Strecke aussieht, kann dabei durchaus ein paar Höhenmeter und erstaunlich feuchte Böden enthalten.

Mitten durchs Moor

Das Moor war vermutlich der Teil des Weges, bei dem einige von uns endgültig Zweifel an der offiziellen Bezeichnung „Spaziergang“ bekamen. Der Boden wurde weich, die Schritte etwas vorsichtiger und trockene Schuhe plötzlich zu einem ehrgeizigen Lebensziel.

Moore und andere Feuchtgebiete gehören zur norwegischen Landschaft. Sie speichern große Mengen Wasser und bieten vielen spezialisierten Pflanzen, Insekten und Vögeln einen Lebensraum. Für Wandernde haben sie noch eine weitere Eigenschaft. Man merkt meistens erst beim Auftreten, wie tief der nächste Schritt wirklich wird.

Irgendwann lag er dann vor uns: Ein wunderschöner Badesee mitten in der Landschaft.

Spätestens in diesem Moment war der Weg direkt wieder vergessen.

Abkühlung im norwegischen Hochsommer

Norwegen hatte heute offenbar beschlossen, sämtliche Klischees über kaltnasse Sommertage einmal auszusetzen. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad war der See keine nette Ergänzung unseres Ausflugs, sondern die beste Idee des Tages.

Also rein ins Wasser.

Natürlich gab es weder Schwimmbeckenrand, Pommesbude noch Bademeister. Genau das macht aber den Reiz hier in Norwegen aus. Man steht mitten in der Natur, schaut auf Wälder und Berge und hat nach wenigen Sekunden vergessen, dass man auf dem Weg dorthin vielleicht ein wenig über die Freizeitleitung geschimpft hat.

Nach dem Schwimmen ging es wieder zurück zu unserem Haus. Vermutlich handelte es sich auch auf dem Rückweg offiziell um einen kleinen Spaziergang.

Eine Flasche Cola für die Besten

Am Abend wartete noch ein sehr gutes Quiz mit hoher Gewinnsumme auf uns. Es ging um Wissen, gute Vermutungen und wahrscheinlich auch um die Fähigkeit, im richtigen Moment besonders überzeugend so zu tun, als hätte man eine Ahnung.

Der Gewinn hatte es in sich. Zu gewinnen gab es eine ganze Flasche Cola.

Zu Hause klingt das vielleicht nach einem überschaubaren Preis. Hier oben auf dem Berg, weit entfernt vom nächsten Supermarkt, liegt der aktuelle Wechselkurs ungefähr bei einer Flasche Cola zu einem Goldbarren. Entsprechend ernst wurde das Quiz genommen.

Jetzt beginnt unsere zweite Nacht in Hjartdal. Eigentlich war dies erst unser erster vollständiger Tag in Norwegen. Trotzdem fühlt es sich längst nicht mehr so an, als wären wir gerade erst angekommen.

Wir sind schon fast zu Hause in der Wildnis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert