Ist der Computer die Kanzel der Zukunft?

Wenn ich morgens mein Thinkpad aufklappe, das matte Schwarz des Gehäuses berühre und den kleinen roten Trackpoint sehe, fühlt sich das nicht nach „Büroarbeit“ an. Es ist Handwerk. Für viele ist ein Laptop nur ein notwendiges Übel, ein Kasten für E-Mails und Steuererklärungen. Für mich ist dieses Gerät im Jahr 2026 die wichtigste Kanzel, die ich besuche. Ja, in meinen Augen ist mein Thinkpad die Kanzel der Zukunft.

Wir leben in einer Zeit, in der die Grenze zwischen „digital“ und „real“ längst kollabiert ist. Wer heute noch glaubt, dass echte Seelsorge nur im persönlichen Gespräch ohne Technik stattfindet, verkennt die Realität. Aber noch viel schlimmer: Er verschwendet die kostbarste Ressource, die wir haben: Zeit.

Die Theologie der Effizienz

Oft werde ich schräg angeschaut, wenn ich über Effizienz im pastoralen Dienst spreche. „Simon, hast du nicht vor Kurzem in der betaKirche noch über Langsamkeit gesprochen? Glaube und Kontemplation gehören doch zusammen!“ Doch, klar, auf jeden Fall. Aber genau hier liegt der Denkfehler: Wir verwechseln Langsamkeit oft mit Tiefe.

Wenn ich fünf Minuten damit verbringe, händisch in staubigen Lexika nach einer hebräischen Wortwurzel zu suchen, die mir meine Software (Logos) in fünf Sekunden liefert, dann sind das vier Minuten und fünfundfünfzig Sekunden, die mir fehlen. In der Regel suche ich für Andachten und Predigten aber nicht nach einer Wortwurzel, sondern nach zehn. Wir sprechen in diesem Beispiel also von fünf Minuten oder fünfzig Minuten. Zeit für das selbe Ergebnis. Zeit, die ich nicht am Tresen im Bebop verbringen kann. Zeit, in der ich keinem Menschen zuhören kann, der gerade eine Krise durchmacht.

Effizienz ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Dienst am Nächsten. Jede Minute, die ich durch exzellente digitale Workflows einspare, gewinne ich für das Echte, das Analoge.

Das Thinkpad als Präzisionswerkzeug

Warum nun ausgerechnet ein Thinkpad als Computer? Weil es meine Haltung widerspiegelt. Ich brauche kein glänzendes Lifestyle-Objekt, das nach Aufmerksamkeit schreit und nur mit ebenbürtigen Geschwistern kompatibel ist. Ich brauche ein Werkzeug das schlichtweg funktioniert. Es muss den Herausforderungen meines Alltags gerecht werden und darf mich auf Reisen nicht im Stich lassen.

Mittlerweile habe ich schon viele Thinkpads durch. Manche waren mit mir auf Korsika am Strand und in den Bergen Norwegens. Ein anderes wurde tatsächlich mal von einem Auto überfahren. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie leben alle noch. Naja, theoretisch. Das erste Gerät, welches ich besaß, hab ich vor Kurzem auseinandergebaut und den RAM verkauft. Es würde aber laufen wie am ersten Tag…

In der Theologie brauchen wir genau das: Präzision. Ganz egal wofür: Ob ich einen Gottesdienst für die betaKirche vorbereite oder die Exegese zur Apostelgeschichte für den Biblischen Unterricht der Erwachsenen im Bebop ausarbeite. Ich brauche ein System, das mir den Rücken freihält.

Ich brauche ein Notebook, welches mir ohne Zeitverzögerung zur Seite steht, keine ständigen Probleme bereitet und auch nach zwei Jahren noch funktionsfähig ist. Ich muss damit hin und wieder ein Reel schneiden können und vor allem Logos bedienen können.

Für die ganz großen Sachen hab ich natürlich noch meine Content-Maschine im Büro. Die möchte ich für Videos, wie zum Beispiel die Werbung der DZM für MyWay auch nicht mehr missen. Das meiste ist aber Alltagsarbeit, die effizient laufen soll.

Digitaler Nomadismus und spirituelle Präsenz

Durch mein digitales Setup bin ich tatsächlich nicht mehr an einen Schreibtisch gebunden. Ich kann im Flugzeug nach Korfu arbeiten, in der Berghütte in Schweden oder eben hinter der Bar, wenn gerade mal zehn Minuten Ruhe ist.

Diese Mobilität hat nichts mit Dauerbildschirmzeit oder gar Suchtverhalten zu tun. Sie ist kein Fluch, sondern Befreiung. Sie ermöglicht es mir, nah bei den Menschen zu sein und gleichzeitig eine stabile theologische Tiefe aufrecht zu halten.

Die Cloud ist mein Archiv, das Thinkpad der Zugang dazu. Wir müssen aufhören, das Digitale als „unbelebt“ oder „geistlos“ zu betrachten. Ein gut konfigurierter Workspace zum wirklich heiligen Ort werden.

Die Zukunft von Kirche: Hybrid oder gar nicht

Die Kirche der Zukunft wird entweder hybrid sein, oder sie wird in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Das bedeutet nicht, dass wir alles nur noch online machen. Es bedeutet, dass wir die digitalen Werkzeuge nutzen, um die analogen Momente wertvoller zu machen.

Die Kirche der Zukunft wird entweder hybrid sein, oder sie wird in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Simon Birr

Wenn ich Organisationen und Kollegen zeige, wie sie ihre Workflows digitalisieren, dann tue ich das nicht, damit sie mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Ich tue es, damit sie weniger Zeit mit Administration verschwenden und mehr Zeit für die Menschen haben.

Gutes digitales Werkzeug ist wichtig, damit wir uns diese Freiheit erkaufen können. Ja, ich weiß, das kostet zunächst erstmal Geld. Wenn wir uns aber mal ansehen, welche Geräte aus welcher Preisklasse professionelle Handwerker auf der Baustelle betreiben, zeigt sich schnell eine gewisse Ähnlichkeit.

Es braucht vernünftiges Werkzeug, wie ein Thinkpad. So schlagen wir die Brücke zwischen dem antiken Text und der modernen Lebenswelt. Es ist leise, verlässlich und tiefschwarz, quasi wie ein guter Espresso vor einer langen Nacht der Predigtvorbereitung.

Schluss mit der Technik-Angst

Hören wir auf, uns für unsere Tools zu entschuldigen. Ein Schreiner schämt sich nicht für seine High-End-Fräse. Lasst uns die Digitalisierung als das sehen, was sie ist: Eine riesige Chance, die Botschaft von der Liebe und der Freiheit so präzise und relevant wie nie zuvor zu kommunizieren.

Klapp dein Thinkpad auf. Geh in die Tiefe. Und dann klapp es zu – und sei ganz bei den Menschen.

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