Zwischendurch hätten wir ihn fast umbringen können. Natürlich nur im übertragenen Sinn. Er hat wirklich alles gegeben, um uns an die Grenze zu bringen. Aber beginnen wir von vorne…
Inzwischen haben wir gelernt, dass ein „Spaziergang“ mit Carsten meistens eine Wanderung ist. Als er heute zu einem „Bergaufstieg“ eingeladen hat, waren wir deshalb zumindest ein bisschen vorgewarnt. Ziemlich schnell wurde dann aber deutlich, dass es um eine richtig fette Tour gehen würde.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Rennevassvarden. Der Gipfel liegt auf ungefähr 1.065 Metern Höhe und gehört zu den Bergen rund um Hjartdal. Schon die normale Route wird als mittelschwere Wanderung eingestuft. (Mittelschwer würde in Deutschland „gesperrt“ bedeuten.) Sie ist nicht markiert, umfasst hin und zurück knapp fünf Kilometer und wird kurz vor dem Gipfel extrem steil.
Der Aufstieg war entsprechend stramm. Oben angekommen wussten wir aber sofort, weshalb wir uns das angetan hatten. Vor uns lag eine richtig geile Aussicht über die Berglandschaft der Telemark. Natürlich mussten wir diese Chance für Gruppenfotos nutzen. Schließlich braucht man später Beweise dafür, dass man wirklich oben war.
Eigentlich hätten wir anschließend einfach wieder zurückgehen können.
Eigentlich.


Dann übernahm PapaBear…
Oben beobachteten wir ein kurzes Gespräch zwischen Carsten und PapaBear. Wir dachten uns dabei nichts Besonderes. Ein schwerer Fehler.
Bis dahin hielten wir Carsten für den Endgegner des Wanderns. Dann übernahm PapaBear die Routenplanung und zeigte uns, dass Carsten offenbar nur das Tutorial gewesen war.
Statt den normalen Rückweg zu nehmen, liefen wir mitten durch die Pampa. Wir durchquerten ein ausgestrocknetes Moor, folgten einer Elchspur, stiegen den nächsten Berg hinauf, drehten um, stiegen weiter auf und kletterten anschließend eine Flanke wieder hinunter. Danach umrundeten wir den Rennevatn und nahmen auch noch den Fjellvasfjellet, einen Berg mit 1.035 Metern Höhe mit.
Der Rennevatn liegt auf etwa 900 Metern Höhe mitten in dieser Berglandschaft. Das Gelände rund um den See besteht aus Felsen, Heide, Moorflächen und zahlreichen kleinen Erhebungen. Ein offizieller Tourenbericht aus derselben Gegend beschreibt eine Runde über mehrere Gipfel mit mehr als zehn Kilometern Strecke und fast 700 Höhenmetern. Unsere Route war zwar minimal anders, trotzdem erklärt das vielleicht, weshalb sich dieser Tag irgendwann irgendwie anstrengend angefühlt hat.
Als wir dann mitten im Nirgendwo keine Lust mehr hatten, hat PapaBear uns zur Motivation folgendes Video abgespielt:
Einfach einen eigenen Weg suchen
Weite Teile unserer Tour führten über wildes Gelände statt über ausgebaute oder markierte Wanderwege. Genau das ist in Norwegen grundsätzlich möglich. Das sogenannte Allemannsretten erlaubt es, sich zu Fuß frei durch unbebautes Land zu bewegen. Dazu zählen Wälder, Berge, Seenlandschaften und Moore. Die Freiheit gehört fest zur norwegischen Outdoor-Kultur, verlangt allerdings auch Rücksicht auf Natur, Tiere und andere Menschen.
Heute bedeutete diese Freiheit für uns vor allem, dass PapaBear irgendwo noch einen Berg sah und vermutlich dachte: Den können wir spontan mitnehmen.
Die Tour war anstrengend. Sehr anstrengend. Unglaublich anstrengend. Wir haben geflucht. Arsch Berg, Digger. Wir liefen über unebenen Boden, feuchte Wiesen und immer wieder bergauf oder steil bergab. Irgendwann hätte ich PapaBear am liebsten geklatscht.
Mit Liebe natürlich.
Oben auf dem letzten Berg war es aber wieder da, dieses Gefühl von Weite. Das kann man bei TikTok nicht sehen, da bringt auch ein YouTube Video nichts. Die Aussicht entschädigt für alle Strapazen.
Fast.











Schnitzel heilt fast alles
Zurück im Haus wartete zum Glück genau das richtige Essen auf uns: Schnitzel mit Pommes.
Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit stieg die Stimmung wieder deutlich. Müde Beine, nasse Schuhe und sämtliche Rachepläne gegen die Tourenleitung rückten langsam in den Hintergrund.
Als danach auch noch unser Karaokeabend begann, war eigentlich schon wieder alles vergessen. Wir sangen, lachten und hatten einen richtig guten Abend. Vermutlich waren einige Auftritte ähnlich herausfordernd wie unsere Bergtour, allerdings auf eine ganz andere Art.
Damit haben wir heute viel geschafft. Wir haben den Rennevassvarden bestiegen, einen See umrundet, mehrere Berge überquert und gelernt, wem man bei der Planung einer gemütlichen Wanderung besser nicht vollständig vertraut.
Merkt euch deshalb für eure nächste Tour in Hjartdal: Der Wanderendgegner ist gar nicht Carsten.
Der Wanderendgegner heißt PapaBear.
Liebe Grüße
eure Kiki



