Weißt du, warum ich KI-Texte sofort erkenne?

Die 12 typischen KI-Stilfehler…

Es war Mitte 2023. Eine Mitarbeiterin für eine Jugendfreizeit hatte relativ kurzfristig abgesagt. Sie war in den vergangenen Jahren immer für den täglichen Freizeitblog verantwortlich und hat sich richtig Mühe gegeben. Wie sollte ich das bloß alleine schaffen? Jeden Tag einen kreativen Text schreiben ist schon eine Herausforderung. Dann kam ChatGPT um die Ecke und hat diesen Blog übernommen. Meine digitale Assistentin Kiki war geboren.

Im folgenden schreibe ich immer wieder von Kiki. Damit meine ich nicht nur ChatGPT, sondern KI-Tools an sich, teils isoliert, teils kombiniert.

Seit einigen Jahren arbeite ich nun regelmäßig mit KI Tools. Ich lasse mir Ideen sammeln, Strukturen vorschlagen oder Entwürfe formulieren. Das funktioniert erstaunlich gut. Trotzdem merke ich beim Lesen vieler Texte ziemlich schnell, wenn sie aus einer KI stammen.

Sind KI-Texte einfach schlecht?

Nein, Kiki schreibt grundsätzlich nicht schlecht. Nach der damaligen Freizeit bekam ich viel Lob für die tollen und abwechslungsreichen Texte auf dem Blog. Tatsächlich sind Kikis Texte grammatikalisch sauber, klar strukturiert und gut lesbar. Genau das ist aber das eigentliche Problem. Sie sind zu sauber. Bestimmte sprachliche Muster tauchen immer wieder auf. Mit der Zeit kann man dann ein Gefühl entwickeln.

Ich nenne diese Muster gern KI-Stilfehler. Sie entstehen nicht aus böser Absicht oder schlechter Programmierung. Sie entstehen, weil KI mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet und dabei häufig zu denselben sprachlichen Lösungen greift.

Im Folgenden beschreibe ich zwölf typische KI-Stilfehler. Vielleicht helfen sie dir, in Zukunft selbst KI Inhalte zu identifizieren – oder auf der anderen Seite deine eigenen KI-Texte zu optimieren.

1. Einleitungen, die überall passen würden

Ein sehr häufiger KI-Stilfehler ist der Einstieg. Viele Texte beginnen mit einem Satz, der so allgemein formuliert ist, dass er praktisch zu jedem Thema passt.

Typisches Kiki-Beispiel:

„In einer Welt, die sich immer schneller verändert, wird es immer wichtiger, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen.“

Der Satz klingt seriös. Das Problem ist nur: Er könnte sowohl am Anfang eines Artikels über Klimawandel, als auch über Social Media, Ernährung oder Bildung stehen.

Solche Einleitungen entstehen, weil Kiki versucht, möglichst sicher und allgemein verständlich zu formulieren. Dadurch entsteht ein Einstieg, der zwar korrekt klingt, aber wenig Profil hat. Der Leser weiß nach dem ersten Absatz noch nicht wirklich, worum es konkret gehen wird.

2. Texte, die wie ein Referat aufgebaut sind

Ein weiterer KI-Stilfehler ist eine überdeutlich strukturierte Darstellung. Du musst dir vorstellen, dass Kiki ein unglaublich schneller Roboter ist, der Aufgaben Schritt für Schritt abarbeitet und das Ergebnis dann in genau dieser Struktur präsentiert.

Typisches Kiki-Beispiel:

In diesem Artikel betrachten wir drei zentrale Aspekte:

  1. Die Chancen von KI
  2. Die Herausforderungen von KI
  3. Die Zukunft der KI

Diese Form ist nicht falsch. Sie wirkt nur sehr schulisch. Viele Blogartikel, die so beginnen, lesen sich wie ein Referat oder ein Lehrbuchkapitel. Seit Kiki lebt, gibt es mehr Listen und Aufzählungen, die man eigentlich auch in gute sprachliche Absätze hätte packen können.

3. Dramatische Kurzsatzfolgen

Ein Stilmittel, das man ebenfalls häufig sieht, sind kurze Sätze, die direkt hintereinander stehen und eine Art dramatischen Rhythmus erzeugen sollen. Ich kenne solche Folgen aus vielen guten Büchern. Einige Autoren haben sich mit genau so einem Stil gut positioniert. Kiki macht es aber einfach zu oft. Nicht nur manchmal. Immer wieder.

Typisches Kiki-Beispiel:

Die Entwicklung ist rasant.
Die Möglichkeiten enorm.
Die Auswirkungen gewaltig.

Solche Reihen sollen Spannung erzeugen. In vielen Fällen wirken sie allerdings eher wie ein schlecht eingesetzter Effekt als wie ein natürlicher Gedankengang.

Kiki nutzt diese Form gern, weil kurze Sätze Aufmerksamkeit erzeugen und leicht verständlich sind. Wenn sie jedoch zu regelmäßig auftreten, wird der Text einfach künstlich.

4. Permanenter Ausgleich zwischen Positionen

Ein weiterer typischer KI-Stilfehler ist der Versuch, möglichst ausgewogen zu sein. Immer wieder werden Aussagen von einer anderen Perspektive ergänz.

Typisches Kiki-Beispiel:

KI bietet viele Chancen, gleichzeitig bringt sie auch Herausforderungen mit sich.

Der Satz klingt vernünftig und differenziert. Gleichzeitig bleibt er sehr allgemein. Man erfährt weder, welche Chancen gemeint sind noch welche Herausforderungen konkret entstehen.

Dieser Stil entsteht, weil Kiki versucht, möglichst neutral zu bleiben und verschiedene Perspektiven abzudecken. Die Datenbasis ist so umfassend, dass ein perfektes Ergebnis dadurch erzielt wird, möglichst ausgeglichen zu wirken. Dadurch wirken viele Texte sehr vorsichtig.

5. Der typische Negationsparallelismus

Nummer fünf ist glaube ich das, was wir alle kennen. Es geht um eine sehr typische Form der Verneinung. Mehrere Aussagen werden in paralleler Struktur hintereinander verneint. Das nennt man Negationsparallelismus.

Typisches Kiki-Beispiel:

KI ist kein Ersatz für Kreativität, kein Ersatz für Erfahrung und kein Ersatz für menschliche Intuition.

Der Satz wirkt auf den ersten Blick klar und rhetorisch stark. Gleichzeitig entsteht ein sehr gleichförmiger Klang, weil dieselbe Struktur mehrfach wiederholt wird.

KI greift gern auf solche Muster zurück, weil sie leicht verständlich sind und eine gewisse sprachliche Wirkung erzeugen. In vielen Texten tauchen diese Konstruktionen jedoch so häufig auf, dass sie schnell auffallen.

Beim Lesen entsteht dann weniger der Eindruck eines gewachsenen Gedankens, sondern eher der Eindruck einer bewusst eingesetzten Formulierungsschablone.

6. Sprachliche Übergänge aus dem Baukasten

KI verbindet Abschnitte häufig mit standardisierten Übergängen. Eben haben wir ja schon gelernt, dass Kiki ihre Aufgaben sehr strukturiert abarbeitet. Sie weiß also die nächste Aufgabe, noch nicht aber das Ergebnis. Dadurch wird der nächste Gedanke angekündigt, bevor er erklärt wird.

Typisches Kiki-Beispiel:

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Frage nach der Verantwortung.

Der Satz funktioniert als Übergang, wirkt aber etwas formelhaft. Wenn man dann noch mit einer schlecht programmierten Kiki arbeitet, können Texte wie aus der Pistole geschossen einen derartigen Übergang nach dem anderen haben.

Der Text wird dadurch eventuell strukturiert, aber liest sich so vorhersehbar, dass er überhaupt keinen Spaß mehr macht.

7. Gleichmäßiger Satzbau

Wenn man einen längeren Text von Kiki liest, fällt oft ein gleichmäßiger Rhythmus auf: Die Sätze haben alle ähnliche Länge und ähnliche Struktur.

Typisches Kiki-Beispiel:

KI verändert die Arbeitswelt. Sie beeinflusst viele Branchen. Sie eröffnet neue Möglichkeiten.

Eine solche Form ist leicht zu lesen. Ganz bestimmt. Aber nicht über mehrere Minuten und diverse Absätze. Dieser gleichförmige Sprachrhythmus passt überhaupt nicht zu menschlichen Gewohnheiten.

Menschen variieren ihre Satzstruktur viel stärker. Manche Gedanken brauchen einen längeren Satz, hin und wieder sogar erklärende Nebensätze oder weitere zusätzliche Formulierungen. Manchmal braucht es nur wenige Worte.

8. Künstliche Wiederholungen

Ein weiterer, sehr beliebter KI-Stilfehler ist die Wiederholung eines Gedankens in leicht veränderter Form. Der Text formuliert eine Aussage und greift sie anschließend noch einmal auf.

Typisches Kiki-Beispiel:

KI verändert unsere Arbeitsweise. Diese Veränderung hat Auswirkungen darauf, wie wir arbeiten.

Der zweite Satz fügt inhaltlich kaum etwas hinzu. Er wiederholt lediglich den ersten Gedanken.

Solche Wiederholungen entstehen ganz häufig dann, wenn Kiki einen längeren Text formulieren soll, ohne ausreichend Input zu haben. Dann nimmt sie halt das, was schon da ist und formuliert daraus einfach etwas Neues.

9. Unvollständige Sätze, die cool klingen sollen.

Was ich besonders in letzter Zeit an KI-Stilfehlern beobachte, sind sogenannte Ellipsen. Kiki schreibt unglaublich viele Sätze, die zwar im ersten Moment cool klingen – aber überhaupt nichts mit deutscher Sprache zu tun haben.

Typisches Kiki-Beispiel:

„KI verändert alles. Nicht spektakulär. Nicht laut. Anders.“

Solche Konstruktionen kommen in gesprochener Sprache häufig vor und werden in Literatur oder Werbung bewusst eingesetzt, um Rhythmus oder Dramatisierung zu erzeugen. Kiki weiß das. Kiki weiß auch, dass wir allgegenwärtig damit zu tun haben.

Wenn in einem Text quasi jeder dritte Absatz durch dramaturgische Elemente verunstaltet wird, hilft das niemandem. Dann wird es nur noch künstlich oder gar pathetisch.

10. Zusammenfassungen kurz vor dem Ende

Kurz vor dem Schluss erscheint in vielen Texten von Kiki eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen. Eigentlich haben wir das in der Schule ja auch gelernt, dass man in der Einleitung schon einen guten Vorgeschmack auf Inhalte liefert und abschließend dann ein gutes Fazit formuliert. Kiki übertreibt aber enorm. KI fasst nicht nur zusammen, sie erklärt auch was sie wie alles zusammengefasst hat.

Typisches Kiki-Beispiel:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass KI viele Chancen bietet, gleichzeitig aber auch Herausforderungen mit sich bringt.

Der Satz blickt noch einmal zurück, ohne neue Gedanken einzuführen. Diese Art Zusammenfassung ist typisch für schulische Textformen und taucht deshalb auch häufig in KI-Texten auf. Erwachsene formulieren das aber ganz anders.

11. Abschlüsse mit sehr endgültigen Aussagen

Ein Punkt, der mir besonders oft auffällt, ist das Ende von Kikis Texten. Viele Artikel laufen auf einen Schluss hinaus, der sehr geschlossen wirkt. Der Gedanke ist rund, klar formuliert und lässt kaum etwas offen.

Das ist auf den ersten Blick überzeugend. Gleichzeitig entsteht oft der Eindruck, dass der Text unbedingt zu einem starken Finale geführt werden sollte.

Typisches Kiki-Beispiel:

„Letztlich zeigt sich, dass der bewusste Umgang mit KI der entscheidende Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft ist.“

Solche Sätze bündeln das Thema in einer großen, allgemein gültigen Aussage. Sie klingen sinnvoll, bleiben aber oft vage. Begriffe wie „bewusster Umgang“, „entscheidender Schlüssel“ oder „erfolgreiche Zukunft“ wirken stark, sind aber kaum greifbar.

Das Problem liegt weniger im Inhalt als in der Wirkung. Der Abschluss fühlt sich wie ein fertiger Lehrsatz an. Er könnte unter vielen Artikeln stehen, ohne dass man den konkreten Text davor kennen müsste.

12. Eine neutrale Perspektive

Der vielleicht deutlichste KI-Stilfehler ist die neutrale Perspektive der Texte. Themen werden beschrieben, ohne dass eine erkennbare persönliche Position auftaucht.

Typisches Kiki-Beispiel:

KI verändert derzeit zahlreiche Bereiche unseres Lebens.

Der Satz stimmt. Gleichzeitig bleibt er abstrakt. Der Leser erfährt nichts darüber, welche Erfahrungen oder Beobachtungen hinter dieser Aussage stehen. Es fehlt halt der menschliche Aspekt von Erfahrung und persönlichen Vorlieben. Es fehlt regelrecht Persönlichkeit.

Gerade in Presseartikeln fällt das dann auf, weil Leser normalerweise neben der Journalistischen Neutralität eine persönliche Einschätzung erwarten. 

Warum diese KI-Stilfehler auftreten

Wenn du solche Muster entdeckst, heißt das nicht automatisch, dass ein Text von Kiki geschrieben wurde. Kiki wurde ja mit Inhalten trainiert, die von Menschen kamen. Wenn aber beispielsweise ein Pastor in jeder Predigt jede Woche diese Muster verkündigt, kannst du ziemlich sicher davon ausgehen, dass er seine Predigten von einer KI schrieben lässt.

Der Knackpunkt ist die Häufigkeit. Kiki greift auf Strukturen zurück, die statistisch gut funktionieren und in vielen Trainingsdaten vorkommen. Deswegen wird sie alle möglichen Ausgaben immer wieder ähnlich formulieren und sich von selbst auch nicht ändern.

Wer regelmäßig mit KI arbeitet oder viele Texte liest, erkennt diese Muster mit der Zeit ziemlich schnell. Genau deshalb lohnt es sich, Kiki nur für Inspiration zu nutzen und alle Texte, immer, selbst neu zu schreiben um ihnen eine eigene, persönliche Stimme zu geben.

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